
Im Schnitt trifft ein erwachsener Mensch etwa 35.000 bewusste Entscheidungen pro Tag – von trivialen Alltagsentscheidungen wie „Was ziehe ich an?“, "Jetzt schaue ich auf mein Smartphone" bis hin zu bedeutenderen, strategischen Überlegungen und echten Lebensentscheidungen. Diese enorme Anzahl zeigt, wie stark unser Gehirn kontinuierlich mit Entscheidungsprozessen beschäftigt ist – und wie leicht wir dadurch in Entscheidungsmüdigkeit (Decision Fatigue) geraten können – ein Thema, bei dem Methoden helfen können, klare Strukturen und Entlastung zu schaffen. Für Führungskräfte sind fundierte Entscheidungen essenziell – nicht nur für operative Abläufe, sondern für die Teamdynamik.
Ich persönlich schlafe vor großen persönlichen oder wichtigen strategischen Entscheidungen möglichst immer eine Nacht und nutze ergänzend einfache Tools. In diesem Artikel stellen wir Ihnen diese unterschiedlichen Lösungsansätze für Ihren Entscheidungsprozess vor und zeigen unkomplizierte Methoden, um strukturiert und gleichzeitig mit gutem Gefühl zu entscheiden. Sie eigenen sich sowohl für private als auch berufliche Entscheidungen. Und Sie werden ganz nach Ihrer persönlichen Vorliebe und nach aktueller Fragestellung eine oder mehrere Methoden wählen. Mit dieser Klarheit führen bewusste Entscheidungen mit mehr Leichtigkeit zum Ziel.
Gemeinsam Entscheidungen treffen und die Verantwortung zusammen tragen, das ist für die Zusammenarbeit und den Teamspirit enorm wichtig. Deshalb erfahren Sie im Verlauf, wie Sie mit Ihrem Team Entscheidungsfreude spielerisch trainieren können.
Die Entscheidungspsychologie und Kognitionswissenschaft beschäftigen sich mit Prozessen, die für das Denken, Lernen und Entscheiden wichtig sind. Dabei werden in den Prozessen Informationen gesammelt und verschiedene Alternativen betrachtet, die dann als Wahlmöglichkeiten bewertet werden. Dies ist dann die Grundlage für die Handlungsabsicht – die Entscheidung. Nun haben wir Menschen in den meisten Fällen nicht alle Informationen zur Verfügung, um alle Konsequenzen einzuschätzen. Nach dem Sozialwissenschaftler Herbert A. Simon wird dies als „begrenzte Rationalität“ bezeichnet. So werden zudem Ansprüche formuliert. Wenn eine der Optionen diese Ansprüche erfüllt, wird sie für die Entscheidung ausgewählt.
Man entscheidet grundsätzlich zwischen analytischen und nicht analytischen Strategien. Bei analytischen Strategien werden alle Elemente einer Option genau in Augenschein genommen. Bei einer Jobentscheidung beispielsweise die Aufgabe, das Gehalt, das Arbeitsumfeld, die Unternehmenswerte und die Entwicklungsmöglichkeiten. Diese einzelnen Elemente werden dann entsprechend bewertet. Nicht analytische Entscheidungen werden zum Beispiel aus Routinen heraus getroffen, in welche dann auch die Erfahrungen einspielen. Die persönlichen Gewohnheiten nehmen bei fast allen Entscheidungen den größten Einfluss, Abweichungen von diesen sind nur selten. Das hat im Alltag große Vorteile, um schnell die zahlreichen Entscheidungen zu treffen. Lässt aber so manche neue Möglichkeit außer Betracht. Unsere Wahrnehmung ist selektiv und gefärbt. Deshalb ist für die Basis von guten Entscheidungen die Auseinandersetzung mit abweichenden Meinungen essentiell, um Bestätigungsfehler zu vermeiden. In den Entscheidungsprozess sollten Gegenargumente und potentielle Kritiker einbezogen werden.
Was ist mir oder dem Unternehmen wirklich wichtig? Wird das Symptom oder die Ursache behandelt? Und schließlich als zentrale Frage, warum ist das wichtig? Diese Fragen gepaart mit unserer Intuition, die sich aus all unseren Erinnerungen und Erfahrungen schöpft, sind die Grundlage für gute Entscheidungen. Wie sie sich Ihren Entscheidungen nähern, stellen wir Ihnen hier in einigen unterschiedlichen Herangehensweisen vor:

Dieser Klassiker unter den Tools in der Entscheidungsfindung und zur Bewertung von Ideen wurde von Edward de Bono, einem Mediziner, Kreativitätsexperten und Kognitionswissenschaftler entwickelt. Hier werden alle Vor– und Nachteile aufgelistet und dann gewichtet. Zudem werden offene Fragen einbezogen und später zugeordnet, wenn diese geklärt sind. Nehmen Sie sich ein Blatt Papier. Notieren Sie die zu klärende Frage/ Entscheidung. Zeichen Sie dann drei Spalten mit den Überschriften Plus, Minus und Interessant. Nun notieren Sie alle positiven Aspekte und Vorteile. Im Anschluss widmen Sie sich den Nachteilen, den negativen Punkten. Wenn es Aspekte gibt, die sowohl positiv als auch negativ sind, tragen Sie dies in beide Spalten ein. Nun geht es nochmal konzentriert an die Interessant-Liste. Hier kommen auch die offenen Fragen hinzu. Sie können sich für die Liste auch ein festes Timing erstellen, wählen Sie z.B. drei Minuten für jede Spalte. Dann werten Sie die einzelnen Punkte mit 1-6. Vor der Gewichtung könnten Sie auch einen Break machen und eine Nacht drüber schlafen. Dies ist vor wichtigen Entscheidungen eigentlich immer eine gute Idee, um unser Gehirn voll in den Prozess einzubinden. Zum Abschluss werden alle Werte der Plus- bzw. Minus-Spalte addiert und dann der Minus-Wert vom Plus-Wert abgezogen. Ist Ihr Ergebnis positiv? Dann lautet die Entscheidung Ja, ist diese negativ entsprechend Nein. Zur Veranschaulichung und Nutzung haben wir Ihnen hier eine Vorlage zum kostenlosen Download erstellt:
Die Mind-Mapping-Methode wird häufig im kreativen Bereich zur Ideenfindung verwendet, eignet sich aber auch ideal, um Zusammenhänge – in Bezug auf die zu treffende Entscheidung – zu visualisieren. Schreiben Sie Ihre Frage in die Mitte eines Blattes. Nun notieren Sie die davon ausgehende Themen als Äste und schreiben Ihre Gedanken dazu auf. So werden Ihre Gedankengänge visualisiert und Zusammenhänge deutlich. Ihre Entscheidung wird übersichtlicher und verliert an Komplexität.

Mit dieser Coaching-Methode können Sie Entscheidungen aus einer zukünftigen Perspektive betrachten und dadurch verschiedene Handlungsoptionen durchspielen. Besonders vor schwierigen Entscheidungen ist diese Vorgehensweise sehr wirkungsvoll, weil Sie auch unsere Werte einbezieht und die Entscheidung in einen zeitlichen Kontext setzt. Wenn es beispielsweise um die Entscheidung von zwei Optionen geht und Sie sich sozusagen an der Weggabelung befinden und nicht wissen, welchen Weg Sie nun wählen sollen, ist diese Vorgehensweise sehr hilfreich. Gehen Sie beide Entscheidungsoptionen durch. Stellen Sie sich dabei folgende Fragen: Wie würde mein Zukunfts-Ich die Situation beschreiben? Fühlen Sie sich mit all Ihren Sinnen in die Perspektive ein, indem Sie sich Zeit nehmen und sich die Situation vor dem inneren Auge ausmalen und sich vorstellen, wie sie sich fühlen. Was hören Sie und vielleicht sogar, was riechen oder schmecken Sie? Auch innere Blockaden lassen sich so leichter auflösen und die wahren eigenen Impulse können klarer wahrgenommen werden. Wenn es Ihnen schriftlich lieber ist, können Sie sich auch selbst zwei Briefe aus der Zukunftsperspektive schreiben, um sich in die Situation einzufühlen.
„Es ist gut, etwas Langsames zu tun, bevor man im Leben eine wichtige Entscheidung trifft.“,
- Paulo Coelho -Die Entscheidungsmatrix ist eine unkomplizierte Methode, um rational verschiedene Alternativen zu vergleichen. Notieren Sie auf einem Blatt oben nebeneinander alle Möglichkeiten. Links notieren Sie dann die verschiedenen Kriterien, die in Ihre Entscheidung einfließen sollen. Bleiben wir beim Beispiel Job: Sie haben drei Angebote und möchten sich entscheiden. Oben notieren Sie die Angebote, links zum Beispiel Aufgabe, Gehalt, Teamspirit. Dann schreiben Sie in die Felder der Matrix Ihre Bewertung von 1-10. Zum Schluss werden alle Punkte pro Möglichkeit gezählt und sie haben klar vor Augen, welche Möglichkeit gewählt werden kann. Tipp: Für die Auslistung der Optionen oben nebeneinander: Überlegen Sie sich umfassend alle Optionen, die Sie haben. Manchmal sieht man nVielleicht ist Ihnen der Begriff Heuristik nicht gleich ganz geläufig, aber ich bin sicher, Sie kennen die heuristische Vorgehensweise „Trial and Error“ – Versuch und Irrtum. Die Heuristik entstand bereits im alten Griechenland und beschäftigt sich mit den Möglichkeiten, mit wenig Zeit und begrenzten Informationen zu Schlussfolgerungen und praktikablen Lösungen zu kommen. Bei der Methode „Trial and Error“ werden verschiedene Wege beschritten und auf der Suche nach Lösungsmöglichkeiten auch Fehler in Kauf genommen – aus denen Learnings gezogen werden. Sozusagen Erfolg durch ausprobieren. Die Evolution nutzt dieses Prinzip, Kinder lernen intuitiv über „Trial an Error“ und viele erfolgreiche Unternehmen ermutigen Ihre Mitarbeiter auszuprobieren und aus Ihren Fehlern zu lernen. Dazu gehören Eigenschaften wie Offenheit und Mut. Das Scheitern als Chance begreifen, um durch neue Erkenntnisse Prozesse schneller anzupassen und Innovationen voranzutreiben, sind entscheidende Vorteile. Auch teamgeist nutzt diese Methode, zum Beispiel im Rahmen des Design Thinkings.
Die Entscheidungsmatrix ist eine unkomplizierte Methode, um rational verschiedene Alternativen zu vergleichen. Notieren Sie auf einem Blatt oben nebeneinander alle Möglichkeiten. Links notieren Sie dann die verschiedenen Kriterien, die in Ihre Entscheidung einfließen sollen. Bleiben wir beim Beispiel Job: Sie haben drei Angebote und möchten sich entscheiden. Oben notieren Sie die Angebote, links zum Beispiel Aufgabe, Gehalt, Teamspirit. Dann schreiben Sie in die Felder der Matrix Ihre Bewertung von 1-10. Zum Schluss werden alle Punkte pro Möglichkeit gezählt und sie haben klar vor Augen, welche Möglichkeit gewählt werden kann.
Tipp für die Auflistung der Optionen oben nebeneinander: Überlegen Sie sich umfassend alle Optionen, die Sie haben. Manchmal sieht man nicht alle Möglichkeiten direkt auf den ersten Blick. Häufig gibt es mehr Alternativen, als man zuerst sieht.

Dann sollten Sie die Rahmenbedingen optimal wählen. Interessant ist nämlich, welchen Einfluss die Art und Weise hat, wie ein Problem oder eine Entscheidung mitgeteilt wird. Das beschreibt der Framing–Effekt. Kennen Sie das? Sie haben sich für etwas entschieden, weil Ihnen jemand genau im richtigen Moment etwas besonders gut präsentiert hat? Oder Sie haben sich gegen etwas entschieden, weil die Umstände einfach nicht gepasst haben?
Der passende Augenblick und die richtigen Worte – also der Situationsrahmen – nehmen einen gewichtigen Einfluss, wenn wir unser Gegenüber von unseren Entscheidungen überzeugen wollen. Ob als Privatperson oder auch als Unternehmen – dieser Situationsrahmen bestimmt mit, wie die Informationen aufgenommen werden. Zum Beispiel immer dann, wenn wir etwas (ver)kaufen möchten. Wenn verschiedene Optionen zur Auswahl stehen, nimmt auch die Reihenfolge in der Präsentation einen Einfluss auf die Entscheidung. Meist treffen wir eine Erstpräferenz, entscheiden uns also für die erste Möglichkeit.
Wir begleiten Sie methodisch durch den Entscheidungsprozess — von der Methode bis zur Teambuilding-Integration — und sorgen dafür, dass alle Beteiligten ihre Rollen finden und gemeinsam entscheiden.
Wir bieten Entwicklung und Prozessoptimierung mit unseren Coachings. Und unterstützen Sie mit Erfahrung und Leidenschaft bei Ihren Entscheidungen, Ihrer Kommunikation und Ihren Teambuilding-Prozessen.
Die tabtour® ist eine digitale Schnitzeljagd auf iPads, in der Teams strategisch Wege wählen, Aufgaben lösen und sich als Team abstimmen müssen – genau wie in realen Entscheidungsprozessen. Sie fördert Kommunikation, Rollenfindung und strategisches Denken. Ideal als Teambuilding-Element im Entscheidungsprozess – z. B. bei Kick-offs, Change-Workshops oder Strategie-Retreats.
Mit der tabtour® trainieren Sie die Entscheidungsfreude in Ihrem Team mit einem praktischen, erlebnisorientierten Angebot, welches Ihre Prozessbegleitung real spürbar macht und das WIR-Gefühl stärkt. Haben Sie Fragen oder wünschen ein unverbindliches Angebot?
Wir kümmern uns so schnell wie möglich um Ihr Anliegen.
Benötigen Sie darüber hinaus Hilfe oder haben weitere Fragen, dann rufen Sie uns einfach an oder schreiben Sie uns eine E-Mail.
Autorin: Christina Engel – Resilienztrainerin
Quellen:
Entscheidungsmüdigkeit Wikipedia Desicion Fatique, abgerufen am 12.08.2025
Wir treffen ca. 35.000 Entscheidungen pro Tag, CNBC, abgerufen am 12.08.2025
PMI Methode nach Edward de Bono, Innovation.wiki, abgerufen am 12.08.2025
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